Aktuell
Der Tänzer im Spannungsfeld von Naturwissenschaft und Kunst
– Ein Interview mit Paolo Knill im
Extra des Walliser Boten über
intermediale Kunsttherapie.
UNIVERSITÄRE UND BERUFS-
BILDENDE AUSBILDUNG IN
INTERMEDIALER KUNSTTHERAPIE
NACH DEM KONZEPT VON
SHAUN McNIFF UND PAOLO J. KNILL
Heute sind intermediale und multimediale Kunsttherapie in aller Munde. Das war nicht immer so. Zu Beginn war es für die Gründer dieser revolutionären Kunsttherapie Paolo Knill J. und Shaun McNiff ein beschwerlicher Weg. Es dauerte, den alle klassischen Kunstdisziplinen einbeziehenden und zwischen den Kunstdisziplinen wechselnden intermodalen Ansatz (auch bekannt als Kunst- und ausdrucksorienterte Therapie) zu etablieren.
Ein weiterer Schritt war die Gründung der European Graduate School EGS und der nationalen Expressive Arts Institute. Heute entwickelt sich die Anwendung des kunst- und ausdrucksorientierten Arbeitens in verschiedensten Bereichen ständig weiter (Therapie, Psychotherapie, Coaching und Supervision, Bildung, Konfliktmanagement und Friedensbildung, Gesundheitsvorsorge, etc.). Wissenschaft und Kunst stehen hierbei im Dialog, um gesellschaftliche Entwicklungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse einbeziehen zu können.
Als erste und älteste Ausbildungsstätten in der Schweiz, bieten die European Graduate School EGS mit akademischen und die Stiftung EGIS mit berufsbildenden Abschlüssen eine breit gefächerte Palette an Ausbildungsmöglichkeiten an. Damit nehmen sie international eine Vorbildfunktion für das ganze Feld ein. Dieser Verantwortung ist man sich bewusst und daher gibt es immer neue Angebote für die Zukunft. Die jüngste Entwicklung ist das neue Programm “Digitale Kunst und Medien”, um der Wirkung neuer Medien auf den Menschen Rechnung zu tragen und eine Kompetenz im verantwortungsvollen Umgang mit gängigen Medien zu lehren.

- Paolo J. Knill und Shaun McNiff zu Beginn ihrer gemeinsamen Arbeit.
“Wir waren zwei Flügel eines Fluges”
sagt McNiff (ehemaliger Präsident des grössten Kunsttherapieverbandes der USA, AATA) über die 34-jährige Zusammenarbeit mit Knill (Ehrenmitglied der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft) im Rahmen dieses Ausbildungskonzeptes. In diesem Bild des einen Fluges und der zwei Flügel, kann metaphorisch der interdisziplinäre Ansatz der Kunsttherapie gesehen werden.
Das heutige Kunstschaffen ist, wohl wie noch nie, zweifach gefordert: Einerseits durch die medialen Verknüpfungen, wie sie sich nicht nur im Film, Fernsehen und in der Performance Art zeigen, andererseits durch die immer grössere Vertiefung in den einzelnen Disziplinen. Gerade darin sehen McNiff und Knill die Herausforderung der Gegenwart, sowohl in der Beratung als auch in der Therapie. In der Bildung ist hier eine Brücke zur “Medienmündigkeits-Kampagne” (Media Literacy) zu schlagen.
“Ästhetische Erfahrung als Weg zur Förderung”
“In den siebziger Jahren, als wir die Praxis der intermedialen Kunsttherapie (Expressive Arts Therapy) erarbeiteten, insistierte mein Kollege Paolo J. Knill, dass die intermediale Praxis eine lange eigene Geschichte als Kunstdisziplin hat, ähnlich einer Disziplin mit Orientierung zu einer singulären Kunstform, einem Instrument oder Medium. Wir alle, ob wir uns nun der Verbindung der Künste oder einer singulären Kunstform in der Beratung oder der Therapie widmen, sind vereint in der Pflege der Künste, des gestalterischen Ausdrucks oder der ästhetischen Erfahrung, als Weg zur Förderung des Wohlbefindens von Andern. Diese Verpflichtung zur Kunst im Dienst an der Menschheit ist das unterscheidende Merkmal im grösseren Kontext der Kunstpraxis.”
(McNiff in “Integrating the Arts in Therapy”; Thomas, 2009, Seite 4)

